Tagesgeld Informationen - Was ist ein Tagesgeldkonto
Wer sich als Anleger mit festverzinslichen Kapitalanlagemodellen beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff des Tagesgeld und das Tagesgeldkonto. Gerade die Definition des Tagesgeldes kann zum Teil sehr in die Irre führen, denn in Abhängigkeit vom finanzwirtschaftlichen Bezugspunkt ergeben sich unterschiedliche Begriffserklärungen. Unter dem Begriff Tagesgeld wird zum einen Kapital gehandelt, dass vor allem Banken und Geschäftskunden zur Behebung kurzfristiger Liquiditätsengpässe dienlich ist und am darauf folgenden Tag wieder zurückgezahlt werden muss. Im Bereich der Privatkunden wird der Begriff Tagesgeld als Kapital definiert, das über unbestimmte Zeit angelegt wird und täglich verfügbar ist.
Ein Tagesgeldkonto bezieht sich auf einen Kontentyp, der sich wesentlich vom Sparbuch oder einem Girokonto unterscheidet. Zwar steht die Einlage dem Inhaber jeden Tag zur Verfügung, aber anders als bei einem normalen Girokonto kann er nicht ohne weiteres über das Geld verfügen und es für den alltäglichen Bedarf nutzen. Es verfügt also über keinerlei Verrechnungsfunktion. Um trotz allem auf das Kapital zugreifen zu können, muss der Inhaber zusätzlich über ein Referenzkonto verfügen, über welches Einzahlungen und Abbuchungen vom Tagesgeldkonto abgewickelt werden können.
Neben der täglichen Verfügbarkeit kommt einem Tagesgeldkonto zugute, dass es ohne Kündigungsfristen auskommt. Dieser Umstand hebt es deutlich von einem herkömmlichen Sparbuch ab. Gleiches gilt für die recht hohe Verzinsung des Kapitals auf einem Tagesgeldkonto. Der Inhaber erhält in der Regel Tagesgeldzinsen, die höher sind als die, die auf ein Sparbuch gewährt werden. Damit rangiert es auf jeden Fall über dem normalen Girokonto, was im Allgemeinen nur mit einem sehr niedrigen Zins ausgestattet ist, wenn überhaupt eine Verzinsung des Guthabens von der Hausbank vorgenommen wird.
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Tagesgeld - Geschichte und Bedeutung
Bis vor wenigen Jahren zählten Tagesgeldkonten eher zu den Nischenprodukten der Finanzdienstleister. Für den privaten Anleger waren andere Anlageprodukte wesentlich interessanter, da sie eine weitaus höhere Rendite versprachen. Der Zinssatz konnte nicht mit einem Sparbuch konkurrieren und die tägliche Verfügbarkeit boten in gleichem Maße Girokonten. Ein Umdenken setzte erst mit der Krise am Aktienmarkt im Jahr 2000 ein. Viele Anleger verloren einen großen Teil des investierten Kapitals und waren über die negative Entwicklung der Kurse bestürzt. Die Folgen für Banken und andere Kreditinstitute waren katastrophal. Viele Investoren zogen sich von renditestarken, aber risikoreichen Anlageformen zurück und strebten wieder den klassischen Anlagestrategien zu, die eine deutlich höhere Sicherheit boten. Aus diesem Grund suchten Banken nach neuen Möglichkeiten, um wieder Kunden an sich zu binden.
Die Entwicklung der Tagesgeld Konten ist eng mit der Entstehung und Gründung der verschiedenen Direkt-Banken verbunden. Die erste dieser neuen Internet-Banken war die First-E Bank, gegründet durch die französische Banque D'Escompte Paris. Sie lockte mit einem Tagesgeldkonto und Verzinsungen von 6%, was zu dieser Zeit ein absolutes Novum war und die Finanzwelt überraschte. Hinter dieser Entwicklung stand die Absicht der Marketingabteilung, eine sichere Geldanlage zu schaffen, die über höhere Renditen verfügte, als ein herkömmliches Sparbuch. Allerdings war der First-E kein großer Erfolg beschieden. Bereits 2001 gab die Banque D'Escompte Paris ihr Vorhaben wieder auf und alle Anleger erhielten ihr Kapital zurück. Ursprünglich sollten nach und nach weitere Finanzprodukte eingeführt werden und so die Produktpalette der Internet-Bank ergänzen. Trotz des Scheiterns hatte die First-E Bank eine Entwicklung eingeleitet, die nicht mehr aufzuhalten war und zu weiteren Neugründungen von Direktbanken führte. In den letzten Jahren lagen die Tagesgeldzinsen im Tief bei 1 % und im Hoch bei 5 % p.a. - je nach finanzwirtschaftlicher Situation.
Inzwischen nutzen viele Banken das Tagesgeldkonto, um neue Kunden zu gewinnen. Besonders die Höhe der gebotenen Zinsen bietet eine willkommene Alternative zum althergebrachten Girokonto. Die Popularität des Tagesgeldkontos hat aber nicht nur Auswirkungen auf den Bereich der Privatkunden. Durch den Wunsch der Kunden nach einer hohen Verzinsung des Guthabens werden in zunehmendem Maße die Banken und Kreditinstitute gezwungen, ihre eigene Wirtschaftlichkeit zu überdenken. Schließlich gehen die Zinsen zu Lasten des Bankkapitals. Je mehr Geld den Zinsrückzahlungen zufließt, umso weniger bleibt den Banken für andere Geschäfte. Zusätzlich haben die bisherigen Bankhäuser durch die Neugründungen der Internet-Banken weitere Konkurrenz bekommen. Langfristig gesehen werden sich nur noch große Bankgruppen ein deutschlandweites Filialnetz leisten können. Kleinere Bankhäuser werden sicher in wenigen Jahren vor die Wahl gestellt, ihre Türen zu schließen oder auf den reinen Online-Betrieb zu setzen.
Daneben verschiebt die zunehmende Akzeptanz des Tagesgeld die bisher gewohnte Verteilung der volkswirtschaftlich genutzten Geldmenge. In absehbarer Zukunft wird immer weniger Sparguthaben in die gesamte Geldmenge einfließen. Das Tagesgeldkonto dient zwar ebenfalls der Kapitalanlage, wie andere Spareinlagen auch, werden aber einem anderen Bereich der Geldmenge zugeordnet. Das hat zur Folge, dass zwar weite Teile der Bevölkerung weiterhin sparen, aber die Sparquote, mit der das Verhältnis zwischen Konsum und Rücklagen bezeichnet wird, sinkt im selben Maße. Da dies nicht den realen Bedingungen entspricht, wird der anhaltende Trend zu Verschiebungen in den volkswirtschaftlichen Denkweisen über die Struktur der Geldmenge führen. Daneben werden durch Tagesgeldkonten die bisher gültigen Theorien über die Verzinsung von Kapitaleinlagen ins Wanken gebracht.
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